Wenn Medien über Gewalt reden

Warum wir grade jetzt gegen den Mainstream vorgehen müssen

cc: Tim Lüddemann

Die Ereignisse, die sich im Rahmen des G20 Gipfels im Jahr 2017 in Hamburg zugetragen haben, haben alle Medien wie schon lange nicht mehr aufhorchen lassen. Es ist fast durchgehend von Ausnahmezuständen, Krawall-Touristen, brennenden Autos, überforderter Polizei und gewaltbereiten Demonstranten zu hören – überall. Erschreckend ist dabei viel mehr, dass viele kritische Denker und Verfechter von alternativen Medien nun, da die Medien (wieder) ihrer Denk-Raison folgen und über die Situation berichten, wie es in das eigene Weltbild passt.

Es reichen wohl schon die „klaren“ Worte über Linksextremisten, randalierende Autonome oder Gewalt gegen die Polizei um jegliche Kritik an genau den Medien verstummen zu lassen, die einen selbst ansonsten nur in einer derart negativen, unkritischen und respektlosen Art darstellen, das man manchmal einfach nur die Autos der Redakteure anzünden möchte.

Bildlich kann man sich wohl eine Exfrau/Exmann vorstellen, die/der einem symbolisch einen kleinen Knochen hinwirft, über den man sich dann so sehr freut, dass sich jegliches kritisches Denken über diese Person promt mit verabschiedet.

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„Wir haben es geschafft Patrick! Wir haben die Stadt gerettet“

Ich will nicht versuchen zivile Gewalt oder die Begehung von Straftaten schön zu reden oder gut zu heißen – dass würde wohl niemand tun ohne dabei moralisch auf die konstitutionelle Gewalt des Staates zu zeigen, der für sein eigenes Handeln Gewalt als Grundpfeiler ansieht, aber genau diese Gewalt dem Volk nicht erlaubt. Warum dann in diesem Rahmen nun von einer undemokratischen Protestform geredet wird, sei mal dahingestellt.

Wenn ein Staat die Gewalt als sein Machtmittel institutionalisiert, welche bessere Protestform gegen Staatsversagen gibt es dann, als ihm genau diese Gewalt entgegen zu halten.  Das unter dieser Form des Protestes meistens Privatpersonen leiden, ist schlichtweg falsch. Es leiden immer nur Privatpersonen unter solchen Ausschreitungen. Die Schäden die verursacht werden müssen behoben werden, ob direkt durch eine Privatperson oder indirekt über Steuern. Daraus lässt sich folgern, dass ein Staat in einer Demokratie überhaupt keinen Schaden (durch Zerstörung von Eigentum oder dem verletzen von Personen) nehmen kann, ohne das indirekt alle dafür zahlen müssen. Ob nun ein Polizeiauto oder ein Privatwagen in Flammen steht ist in der Summe also nur eine Tragödie für den Privatwagenbesitzer – obwohl er für beides zahlen muss. Was daraus folgt ist eine Gesellschaft von Menschen die brennende Autos in den Medien sehen und denken, „Das könnte mein Auto sein“ und damit diese Form des Protests als eine Art persönlichen Angriff auf den Rest des bisschen Vermögens sehen, was ihnen noch bleibt.

Das sich zusätzlich dann noch regierungskritische Individuen und Parteien ganz populistisch dazu hinreißen lassen, ihr Mitleid für die Polizei in Hamburg kund zu tun, ist grade zu kafkaesk.

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Jedes Individuum, das sich mal auf einer nicht vom Establishment organisierten Demonstration aufgehalten hat, kennt die Willkür mit der Polizeibeamte gegen Demonstranten vorgehen, wenn nur irgendetwas nicht so läuft, wie es die Einsatzleitung oder Politik gerne hätte.

Natürlich könnte man friedlich demonstrieren, könnte weitere Schilder hochhalten und sagen, wir sind friedlich was seid ihr? Man könnte sich an die polizeilichen Vorgaben zum Ablauf der Demonstration halten und jeder Änderung von Abläufen nur blind zustimmen.

Doch genau dieses Verhalten führt zu einem so unglaublichen Glauben an unser System und unsere Regierung, dass ein Ausbrechen aus diesem Denkmuster einen selbst mit randalierenden Autonomen gleichsetzt. Entweder man findet also gut was die Polizei dort und tagtäglich macht, weil man insgeheim hofft ihnen selbst irgendwann einmal die nötigen Befehle geben zu können(frei nach dem Motto, wenn ich an der Macht bin würde ich alles anders machen), oder man ist ein auf Randale und Zerstörung gepolter Linksextremist.

Ein Dazwischen gibt es wohl nicht oder gar ein Hinterfragen des Vorhersehbaren eskalieren der Situation in Hamburg. All dieser Medienrummel und Hasstiraden wirken grade zu unreal, als hätte man das „Chaos“ sozusagen geplant – oder zumindest mit einkalkuliert; sei es um neue Taktiken und Gerätschaften der Polizei im urbanen Raum auszutesten, die Bevölkerung vor den Wahlen wieder in die Hände der üblichen Verdächtigen zu leiten oder aus einer mir noch nicht ganz klar gewordenen 6-Stunden-Youtubeverschwörung.

Als alternative Medien dürfen wir Informationen nicht einfach wahrnehmen und mitmachen, insofern sie in unser Weltbild passen. Besonders wenn vom Mainstream eine klare Schwarz-Weiß Linie gezeichnet wird und im vorhinein schon klar war, wer der Räuber und wer der Gendarm sein wird.

Vielmehr sollten man sich grade in solchen Situationen beruhigen und versuchen die Hintergründe nachzulesen und zu recherchieren, anstatt nur wild denen zu applaudieren, die einen ansonsten 364 Tage auseinander nehmen und niemals bereit wären, diesen Applaus auch nur ansatzweise zu erwidern.

Denn ungerechtfertigte Gewalt, sei es körperlich oder medial, ist nichts was man seinen „politischen Feinden“ wünschen sollten – nur weil es einen diesmal nicht selbst erwischt hat. Denn diese Denkweise lässt die scheinbar freiheitlichsten Denker schnell zu Richtern und Henkern werden, sobald die Umstände stimmen und der mediale Mainstream einem die nötige Rückendeckung gibt.

Mein Appell an deine Moral, vergiss nicht zu denken nur weil du (heute) gewinnst.

 

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