How about no – Propaganda über den Mindestlohn entkräftet

Die Frage nach dem Mindestlohn ist ein heiß diskutiertes Thema, nicht nur in Deutschland sondern auch in den USA. Deshalb musste man nicht lange darauf warten, dass sozialistisch orientierte Seiten und Projekte die moderne Form des “Memes” [1] dazu verwenden, ihre Ideen und Propaganda zu bewerben.

Dies soll eine kleine Abhandlung und Analyse zu diesem Thema sein, in der ich nach dem Vorbild von Matt Palumbo [2] diese Memes untersuche und versuchen werde, gegen sie zu argumentieren.

Die Theorie des Mindestlohns geht davon aus, das in gewissen Arbeitsbereichen Unternehmen an ihre Mitarbeiter zu wenig Lohn zahlen und deswegen der Staat eingreifen muss, damit diese Arbeiter eine “faire” Entlohnung für ihre Arbeit bekommen.

Das Hauptargument der Vertreter für ein Mindeslohn ist also die verbesserte Einkommenssituation der Mitarbeiter. Dies ist vor allem der Fall bei Berufseinsteigern und “Minijobbern”, welche beispielsweise während der Schule oder des Studiums arbeiten.

Dieses Argument geht von der Theorie aus, das Unternehmen ihren Mitarbeitern nicht einen gewissen Lohn für ihre Arbeit zahlen wollen, weil sie einerseits dadurch mehr Gewinn erwirtschaften würden und andererseits wissen, das sie diese Stellen schnell wieder mit neuen Mitarbeitern besetzen können; beispielshalber weil es nicht so schwer ist jemanden an die Kasse bei Mc-Donalds zu stellen.

$15 a hour ? Say hello to your replacement
15 Dollar pro Stunde? – Sag Hallo zu deinem Ersatz. Quelle

Das Problem an dieser Theorie ist, das sie meistens nicht die Situation der Unternehmen beleuchtet. Diese müssen, zumindest in Deutschland, für gewisse Versicherungen des Arbeitnehmers aufkommen und zusätzlich noch Steuern zahlen; das bedeutet Sozialabgaben, Rentenabgaben, Krankenversicherung et cetera.

Bei Arbeiten die eine gewisse Ausbildung, Intelligenz oder Einarbeitung brauchen, ist der Mitarbeiter für das Unternehmen trotzdem noch so wertvoll, das man ihm einen hohen Lohn bezahlt.

Das Beispiel von Mitarbeitern einer Fastfoodkette, die eine nur sehr kurze Einarbeitungszeit benötigen und die Arbeit keine besondere Intelligenz oder Fähigkeiten als Bedingung stellt, spiegelt die Situation am Besten wieder. Wenn jemand 15 € die Stunde verdient,  ist es ihm egal ob der Mindestlohn bei 6 € oder bei 9 € liegt.

Das heißt logischerweise, dass diejenigen, die betroffen sind, im Niedriglohnsektor arbeiten. Nehmen wir nun 3 fiktive Charaktere;

X, Y und Z

X geht die Sache gelassen an und kann 20 Burger pro Stunde zubereiten und verdient deswegen 4 € die Stunde

Y ist motiviert und schafft ganze 30 Burger in der Stunde und verdient deswegen 6 €

Z ist ein wahres Naturtalent und kann 40 Burger in der Stunde zubereiten und erhält 8 € pro Stunde

Die 3 Mitarbeiter werden vom Unternehmen für ihre Leistung bezahlt, d.h. das Unternehmen kalkuliert wie viele Burger der Mitarbeiter produzieren kann und somit für wie viel Umsatz der Mitarbeiter sorgt. (Mehr dazu hier, Personalkosten richtig berechnen [3] )

Wenn nun von Gesetzeswegen dem Unternehmen gesagt wird, es müsse seinen Mitarbeitern einen Mindestlohn von 6 € die Stunde zahlen, wie wird das Unternehmen handeln ? Genau, es wird die ineffektiven Mitarbeiter entlassen, welche aufgrund ihrer Fähigkeiten oder ihrer persönlichen Einstellung nicht die Produktivität bringen, die nötig wäre, um weiterhin für das Unternehmen rentabel zu sein.

Nun wird Mitarbeiter X entlassen und muss von Sozialleistungen leben, da ihn kein Unternehmen für 6 € die Stunde anstellen will, da er nicht bereit ist schneller oder effektiver zu arbeiten und auch nicht die Möglichkeiten oder Motivation besitzt, sich weiterzubilden.

Nun kommen die Gewerkschaften und Sozialisten und sagen, wenn Mitarbeiter Z für seine Arbeit 8 € verdient, dann sollte auch Mitarbeiter Y für seine Arbeit 8 € verdienen; wie soll er sonst seinen Lebensunterhalt bestreiten und seine Familie ernähren. Der Staat setzt nun ein weiteres Gesetz in Kraft, das Unternehmen dazu zwingt, seinen Mitarbeitern einen Mindestlohn von 8 € zu zahlen. Da das Restaurant aber weiterhin Burger verkaufen will und Gewinn machen will, bleiben ihm zwei Möglichkeiten: entweder es spart an der Qualität des Produktes oder es erhöht den Preis. Das Problem das hieraus resultiert ist offensichtlich. Die Kunden werden unzufriedener. Nun denkt sich ein kluger Unternehmer, welche Mitarbeiter denn kein Mindestlohn fordern können – das sind entweder illegal angestellte Personen(Schwarzarbeiter, welche aber hier außen vor gelassen werden) oder Maschinen.

Mc Donalds hat dieses Konzept beispielsweise weiter verfolgt und Kassenpersonal gespart, indem sie Automaten [4] für die Selbstbedienung installiert haben. Nun benötigen wir noch weniger Personal und Y wird ebenfalls entlassen.

Doch damit nicht genug, wenn man 8€ pro Stunde haben kann und ein Programmierer 15 € die Stunde verdient, wieso sollte dann nicht auch der Burgerbrater dieses Geld verdienen? Ein weiteres Gesetz wird auf den Weg gebracht und auf einmal muss das Restaurant an Z 15 € pro Stunde zahlen.

Das einzige was dem Unternehmen nun übrig bleibt ist entweder den Betrieb einzustellen, oder auch seine letzten Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzen – Burger zusammenstellen und das vollautomatisiert während gleichzeitig Rücksicht auf besondere Kundenwünsche genommen wird, Momentum machines [5] hat einen vollautomatischen Burgerbrater und Zusammenleger hergestellt, welcher bis zu 400 Burger pro Stunde [6] produzieren kann. Nun benötigt das Unternehmen nur noch Mitarbeiter, die die Maschine am Morgen füllen und am Abend sauber machen.

Auch wenn dies eine konstruierte Geschichte ist, so sind die erwähnten Erfindungen keine Sciencefiction mehr. Gewisse Arbeiten können mit neueren Technologien weitaus kostengünstiger und effektiver ausgeführt werden. Das Problem ist, dass dadurch der sogenannte Niedriglohnsektor wegfällt und gewisse Personen, die vielleicht nur wenig Zeit für einen Nebenjob haben, noch in der Ausbildung sind oder aus anderen persönlichen Gründen keine anspruchsvollere Arbeit ausführen können/wollen, keine Arbeitsstelle mehr finden. Das bedeutet meistens, dass sich nun der Staat mittels Sozialleistungen oder Bafög um diese Personen “kümmern” muss. Das dies langfristig keine Lösung sein kann, sollte allen Beteiligten eigentlich klar sein, die ein gewisses Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen haben.

Kommen wir nun zu den Argumentationen von USA-Uncut [7] :

1.

“Ein Australischer Fastfood Mitarbeiter erklärt wie er sich ein neues Auto und ein schönes Zuhause leisten kann: “Die Regierung erhöht den Mindestlohn jedes Jahr – Derzeit liegt er bei 16 Dollar die Stunde; die Regierung macht also das Gegenteil von dem was die Amerikaner machen.” ” Quelle [8]
Wenn man solch ein Bild sieht, sollte man sich zunächst nicht von dem lächelnden Gesicht, dem moralisch wirkenden Text und den schönen Zahlen täuschen lassen. 16 $ pro Stunde hören sich wirklich schön an, aber 16 $ in Australien sind nicht vergleichbar mit 16 $ in den USA. Das Wichtige ist eigentlich, wie viel Kaufkraft diese 16 $ letzten Endes besitzen – und dann sieht die Sache aufeinmal ganz anders aus:

“Angepasst an die Kaufkraft: Der wirkliche Mindestlohn” Quelle [9]
So werden aus den theoretischen 16 $ ganz schnell mal nur noch knapp 10 $. Und damit nicht genug, dieses System ist in Australien auch noch nach dem Alter gestaffelt, das bedeutet nach offsettingbehaviour [10] folgendes:

Für Jugendliche Angestellte:

  • Unter 16 Jahren  $5.87

  • Mit 16 Jahren      $7.55

  • Mit 17 Jahren      $9.22

  • Mit 18 Jahren     $10.90

  • Mit 19 Jahren     $13.17

  • Mit 20 Jahren    $15.59.

Da meistens Jugendliche oder junge Erwachsene in diesem Sektor arbeiten, bedeutet dies auch noch einmal gewisse Abstriche, von einem neuen Auto oder einer schönen Wohnung kann also mit diesem Gehalt tatsächlich keine Rede sein. So liegt der Median der Häuserpreise in Australien nach professionalplanner [11] im Dezember 2013 bei 598,044 $ während ein Haus in den USA nach usnews [12] 155,000 $ kostet. Auch ein schönes Auto wie der Porsche Carrera S  kostet nach carsguide [13] in den USA 88.000 $ während er in Australien 282.800 $ kostet.

2.

“Das Anheben des Mindestlohns zerstört Arbeitsplätze.. – Der Staat Washington hat den höchsten Mindestlohn in den USA und gleichzeitig den größten Zuwachs an Arbeitsplätzen” Quelle [14]
Wie bereits oben erläutert betrifft der Mindestlohn besonders junge und unausgebildete Menschen. Den Mindestlohn also auf die gesamte Wirtschaftsleistung zu beziehen ist schlichtweg eine Täuschung. Vielmehr ist es statistisch so, dass Bundesstaaten in den USA mit einem höheren Mindestlohn auch eine höhere Jugendarbeitslosigkeit haben, schreibt consultingbyrpm [15].

Weiterhin behauptet das Meme das Washington einen der am schnellsten wachsenden Jobmärkte hat, während Washington tatsächlich nicht einmal in den Top 10 [16] der am schnellsten wachsenden Jobmärkte in den USA zu finden ist; und das sagt nicht irgendwer, sondern Moody’s Analytics.

Auch sollte man wieder nicht die Gegenrechnung zu den Lebenskosten vergessen, welche in Washington bei 117% [17] zum USA Durchschnitt liegt. So werden aus den 9, 32 $ Mindestlohn tatsächliche 7,96 $, welche nur niedrig über den bundesweiten Durchschnitt von 7,25$ liegen.

3.

“San Francisco hat den höhsten Mindestlohn in den USA und trotzdem einen schneller wachsenden Jobmarkt in den letzten 10 Jahren als jede andere große Stadt.” Quelle [18]
San Francisco hat einen Mindestlohn von 10,74 $, ist aber gleichzeitig eine Stadt mit sehr hohen Lebenskosten [19], um genau zu sein von 161% zum Bundesdurchschnitt. So stellen diese 10,74$ in San Francisco nur eine Kaufkraft von 6,66$ da, welche sogar noch unter dem bundesweiten Durchschnitt von 7,25 $ liegen.

Auch das Argument des riesigen Anstiegs von Arbeitsplätzen liegt in keinem Zusammenhang zu dem Mindestlohn. So ist nach economist [20] San Francisco vorallem ein Anlaufpunkt für den Technologiesektor, in welchen die Mitarbeiter einen weit höheren Lohn als den Mindestlohn erhalten.

Fazit:

Es wird wieder mit Vereinfachung, falschen Fakten und weggelassenen Details gearbeitet, um seine eigene These zu untermauern. Inwieweit diese Bilder von Propaganda zu unterscheiden sind, lasse ich ihnen offen.

Glaubt nicht alles was ihr im Internet lest – Abraham Lincoln

Bis zum nächsten mal,

Axel Ziemann

 

[1] http://knowyourmeme.com/

[2] http://rare.us/story/opposite-of-america-is-full-of-even-more-lies/

[3] http://www.lexware.de/mitarbeiter-und-gehalt/personalkosten-berechnen-wie-viel-kosten-meine-mitarbeiter

[4] http://www.business-on.de/weser-ems/ebene-filialen-restaurants-sb-terminals-burgerbrater-mcdonalds-_id16450.html

[5] http://momentummachines.com/

[6] http://www.gizmag.com/hamburger-machine/25159/

[7] https://www.facebook.com/usauncut

[8] https://coxrare.files.wordpress.com/2014/10/america.png?w=616&h=401

[9] http://visual.ly/real-hourly-minimum-wages-around-world

[10] http://offsettingbehaviour.blogspot.de/2013/02/its-complicated-oz-minimum-wage-edition.html

[11] http://www.professionalplanner.com.au/cut-and-paste/2014/03/12/australian-median-house-price-growth-up-5-7-for-the-december-quarter-26662/

[12] http://www.usnews.com/news/blogs/home-front/2012/11/30/what-a-median-priced-home-looks-like-across-america

[13] http://www.carsguide.com.au/car-news/why-cars-cost-more-here-than-in-the-us-18284#.VDbsG_l_uiE

[14] http://coxrare.files.wordpress.com/2014/10/meme1.jpg?w=616

[15] http://consultingbyrpm.com/blog/2013/02/i-get-empirical-on-minimum-wage.html

[16] http://consultingbyrpm.com/blog/2013/02/i-get-empirical-on-minimum-wage.html

[17] http://www.bestplaces.net/cost_of_living/state/washington

[18] https://coxrare.files.wordpress.com/2014/10/meme3.jpg

[19] http://www.huffingtonpost.com/2012/01/27/cities-high-cost-of-living_n_1236841.html#s644530title=4_San_Francisco

[20] http://www.economist.com/news/united-states/21591187-californias-new-technological-heartland-struggling-its-success-growing-pains

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