Hey, wo ist dein Regenbogenfilter?

Hey, wo ist denn dein Regenbogenfilter?
„Hey, wo ist denn dein Regenbogenfilter?“ Quelle  http://iraffiruse.net/post/122840861864

Wer gesellschaftliche Entwicklungen beobachten will, kommt an sozialen Netzwerken kaum noch vorbei. Es geht dabei jedoch meistens nicht mehr nur um erhöhte Benutzeraktivität, sondern um ein psychologisches Experiment; Wie reagieren Nutzer auf politische Entwicklungen und Trends.

Eine dieser Entwicklungen war die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes (Supreme Court) der Vereinigten Staaten , der die gleichgeschlechtliche Ehe als ein konstitutionelles Recht ansieht. [1]

Innerhalb einer Stunde fügten daraufhin mehr als eine Millionen Facebooknutzer ihrem Profil einen Regenbogenfilter [2] hinzu, welcher „happy Gay Pride“ darstellen sollte und somit passend zur Unterstützung dieser Entwicklung dargeboten wurde.

Was die User aber nicht wussten war, dass sie möglicherweise Teil eines psychologischen Experimentes seitens Facebook geworden sind. Bereits 2013 wurde das Nutzerverhalten und die Faktoren untersucht, die einen Facebooknutzer dazu bewegen, sein Profilbild durch ein rotes Gleichheitszeichen zu ersetzen um so herauszufinden, wie kollektive Bewegungen im Internet und speziell in sozialen Netzwerken funktionieren.

Verschiedene Varianten des „Roten Gleichheitszeichen“ Quelle  http://imgur.com/eCosA6M

 

So analysierten Bodgan State und Lada Adamic in ihrer Untersuchung das Nutzerverhalten bei dem besagten roten Gleichheitszeichen unter dem Titel „The Diffusion of Support in an Online Social Movement: Evidence from the Adoption of Equal-Sign Profile Pictures“ [3]

Es kam die Frage auf, wie oft ein Facebooknutzer ein rotes Gleichheitszeichen bei Freunden sehen muss, um sein eigenes Profilbild zu diesem zu ändern, oder aber anderweitig darauf zu reagieren.

So schreibt Gustav Le Bon (1911) in seinem Werk „Psychologie der Massen“ im Vorwort:

„Die unbewusste Wirksamkeit der Massen, die an die Stelle der bewussten Tatkraft der einzelnen tritt, bildet ein wesentliches Kennzeichen der Gegenwart.“  [4]

Unser soziales Verhalten in Netzwerken spiegelt unser soziales Verhalten und unsere eigene kollektive Dynamik wieder. Wenn viele etwas tun, denken wir mehrfach über dieses Ereigniss nach und stellen uns vor, auch so zu sein; abhängig ist dies von der Häufigkeit und der Akkommodationshindernisse der Idee.

Taucht nun ein Bild oder ein Filter häufig bei Facebookusern auf und ist es auch relativ einfach, hier mittels einer von Facebook dargebotenen App [2], sich diesem Trend anzupassen, wird es immer wahrscheinlicher, dass das eigene Nutzerverhalten von der Masse der Freunde dirigiert wird und seine Eigendynamik verliert.

Untersuchen wir nun die Idee der „Homoehe“ und die mit einhergehenden Akkommodationshindernissen, so stoßen wir auf kaum Gegenwind in Deutschland. Es ist vollkommensten gesellschaftlich zu vertreten, das man die „Homoehe“ aus dem Gleichheitsgrundsatz gut zu finden hat. Es gibt eine Vielzahl von Lobbygruppen, die sich für die Stellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender einsetzen. [5]

Daraus kann man schließen, das sehr viele Deutsche Nutzer diesen Filter auf ihren Profil angewandt haben (im Gegensatz zu beispielsweise russischen Nutzern), um Teil dieser Massenbewegung zu sein.

Das tiefer gehende Problem, welches hinter der „Homoehe“ steckt, liegt in dem Konstrukt der staatlichen Ehe, welche als „Zivilehe“ im 18. Jahrhundert unter der französischen Besatzung im Rahmen des „Code Civil“ eingeführt worden ist. Nachdem die Preußen aber die Zivilehe zwar wieder entfernten, wurde diese mit Wohlwollen der Kirche wieder langsam eingeführt und setzte sich im Bürgerlichen Gesetzbuch fest. [6]

Dies wirft allerhand Fragen auf; inwieweit hat eine freiwillige Beziehung zwischen 2 Individuen eine Gesetzeslage nötig. Spätestens seit der Einführung des „Privateigentums“(insofern man hiervon bei einer staatlichen Herrschaft sprechen kann) hat jeder das Anrecht auf seinen eigenen Besitz. Eine Ehe ist hierbei nicht von Nöten um Frau oder Mann heute zu ermöglichen, Besitz zu erwerben oder seinen Besitz zu sichern.

Vielmehr wird ein religiöses Konstrukt verstaatlich und die Feierlichkeiten werden entfernt und durch einen kalten Vertragsschluss eines Beamten besiegelt. Die Verstaatlichung der Ehe ist somit ein weiterer Versuch des Staates, in das Privatleben der Individuen einzugreifen und unsere tiefsten Gefühle zu kontrollieren. Alles was eine Beziehung zwischen zwei Individuen ausmacht, definiert jeder für sich selbst. Manche sprechen von Liebe oder Seelenverwandschaft. Andere sprechen von Partnerschaft und Teamgeist. Was hat der Staat denn dort verloren?

Eine Gesellschaft, in der eine staatliche Organisationsform gewaltsam in meine biologischen Triebe der Fortpflanzung, Partnerwahl und Geistesfreiheit eingreift, ist grade zu dystopisch.

Die Befürworter der Ehe argumentieren, dass eine staatliche Ehe eine gewisse Rechtssicherheit bieten würde. Aber genau diese Rechtssicherheit besitzen wir von Natur aus schon.  Ich brauche keine Gerichte die bestimmen was in einer Ehe Eigentum von X und Eigentum von Y ist. Ich brauche keine endlosen rechtlichen Prozesse um das Sorgerecht, Jugendamtbesuche und noch mehr traumatisierte Kinder. Allein die Scheidungsrate von 36% aller in einem Jahr geschlossenen Ehen innerhalb der nächsten 25 Jahre gibt doch Aufschluss darüber, dass dieses Konstrukt nicht funktioniert. [7]

Man stelle sich vor ein Unternehmen würde Verträge schließen und 35% dieser Verträge würde gebrochen werden. Würde man sich als Unternehmen nicht dann lieber überlegen, keine weiteren solcher Verträge mehr zu schließen und diese abzuändern. Und nun stelle man sich vor, eine andere Firma (hier die LGBT-Lobby) würde sagen: „Wow ich finde dieses Konzept gut und will das auch für mich – aber ich will es nur weil wir es derzeit nicht dürfen und alle andere diese tollen Verträge haben dürfen.“

Dies geht vor allem an die Befürworter der „Homoehe“;

Wollt ihr wirklich ein so altbackenes und rückwärtsgewandtes Produkt wie die staatliche Ehe für euch gewinnen? Solltet nicht grade ihr reflektierter sein, dass es niemanden etwas angeht, was ihr mit einem anderen erwachsenen Individuum treibt? Wollt ihr euch wirklich mit Paragraphen rumschlagen, oder wollt ihr euren Partner einfach nur lieben und euch keine Gedanken um Scheidung und Eheverträge machen?

 

http://1996.tumblr.com/post/122871380269

Quellen:

[1] http://www.supremecourt.gov/opinions/14pdf/14-556_3204.pdf

[2] https://www.facebook.com/celebratepride

[3] http://dl.acm.org/citation.cfm?id=2675290

[4] Gustav Le Bon – Psychologie der Massen; Übersetzung von Rudolf Eisler; erschienen im Nikol Verlag 7. Auflage 2012

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Homo-_und_Bisexualit%C3%A4t/Themenliste/Liste_von_LGBT-Organisationen#Deutschland

[6] Andreas Becker: Napoleonische Elitenpolitik im Rheinland: die protestantische Geistlichkeit im Roerdepartement 1802–1814 (= Rheinisches Archiv, Band 156). Böhlau Verlag, Köln 2011, ISBN 978-3-412-20655-0, S. 51 ff.

[7] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Ehescheidungen/ScheidungenDeutschland.html;jsessionid=A6E1BC74449018B8F53B8BA4788F3806.cae4

Weitere Quellen zum Nachlesen:

http://www.theatlantic.com/technology/archive/2015/06/were-all-those-rainbow-profile-photos-another-facebook-experiment/397088/

http://www.theatlantic.com/technology/archive/2014/06/even-the-editor-of-facebooks-mood-study-thought-it-was-creepy/373649/

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-streit-um-regenbogen-profilbilder-a-1041601.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22972300

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